Die Flechte

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Gewöhnliche Gelbflechte Xanthoria parietina

Baummoos Pseudeverina furfuracea

Flechten sind allgegenwärtig und doch werden sie zumeist übersehen. Finden kann man sie auf Bäumen als Epiphyten, auf Holz – Lagerholz und Totholz als lignicole Flechten, als bodenbewohnende -terricole Flechten, oder als gesteinsbewohnende -saxicole Flechten, wie Beton, Kalkgestein, Dachziegeln, aber auch auf Metall und vielem mehr. Überall auf der Erde kann man ihnen begegnen, selbst in Lebensräumen die von höheren Pflanzen nicht besiedelt werden können, da sie zu trocken, zu nährstoffarm oder zu kalt sind. Im Gebirge auf 5000 Metern Höhe, in den heißesten Wüsten oder der Antarktis sind sie zu Hause. Es könnte leicht der Eindruck entstehen, dass die Flechten zu den „niederen“ Pflanzen gehören. Das wäre aber eine Fehleinschätzung, denn Flechten sind keine Pflanzen, sie werden dem Reich der Pilze zugeordnet, in dem sie eine Sonderstellung einnehmen. Flechten sind Pilze die in Symbiose mit Photobionten leben, also Grünalgen oder Cyanobakterien (Blaualgen), die in der Lage sind, Photosynthese zu betreiben. Diese Lebensform „Flechte“ ist charakterisiert durch niedrige Stoffwechselraten, Langlebigkeit und Genügsamkeit. Anders als bei der Symbiose Pilze / Pflanzen ist bei der Flechte der Pilz der Profiteur. Beide Partner ziehen  aus der Lebensgemeinschaft durchaus ihre Vorteile. Die Alge wird von dem Pilz vor äußeren Einflüssen geschützt wie z.B. hohe UV-Strahlung oder Fressfeinden. Auch schütz der Pilz die Alge vor Austrocknung, denn die Feuchtigkeit schwankt in dem Pilzgeflecht weniger stark. Er liefert ihr über seine Atmung das nötige Kohlendioxid, das sie für die Photosynthese benötigt. Die von daraus gewonnenen Kohlenhydraten werden zu 40 % an den Pilz in Form von Zuckeralkoholen z.B. Sorbit oder Ribit abgegeben. Hier ist der Pilz komplett auf die Alge angewiesen. Blaualgen versorgen ihren Partner mit Glucose. Da der Pilz keinerlei Stoffwechselproduckte der Alge zur Verfügung stellt, könnte man sagen, der Pilz gibt der Alge Wohnraum und lässt sich dann von seinem „Untermieter“ durchfüttern. Weiterhin kontrolliert er die Zellteilungsrate der Alge und unterdrückt ihre sexuelle Vermehrung, während der Pilz sich vegetativ wie auch sexuell vermehren kann.

Eichenmoos/Pflaumenmoos Evernia prunastrie

 

Schüsselflechte Parmella sulcata (blaugrau)

Von den weltweit vorkommenden 25 000 Arten gibt es in Europa 2000 Arten die in Krustenflechten, Blattflechten und Strauchflechten eingeteilt sind. Diese auseinander zu halten dürfte auch für den Laien kein Problem darstellen. Möchte man die Art bestimmen, wird es schon recht schwierig. Ohne Mikroskop und chemische Reaktionen durch Farbumschläge geht es nicht.

Parellflechte Ocholechia parella

 Die Krustenflechte ist bei ihrem Substrat nicht wählerisch. Sie überzieht Steine, Felsen, Mauern, Beton, Dachziegeln oder wächst einfach auf dem Boden oder an Holz. Sie liegt dem Substrat vollständig auf und ist mit ihm verwachsen, was es auch schwierig macht, diese Flechten zu entfernen ohne sie vollständig zu zerstören. Sie besitzen keine Wurzeln. Die Spezifität der Flechten an das Substrat variiert zwischen den Arten, jedoch sind sie meist auf natürliche Substrate angewiesen. Viele Flechtenarten sind substratspezifisch und gedeihen auf Kalkstein, Dolomit,  Quarz, Gneis oder Basalt.

Flechten bilden eine ganze Reihe von Substanzen. Neben den primären Produkten wie Vitamine, Zuckermolekülen, Proteinen, Aminosäuren, gibt es noch die Flechtenstoffe die auch für die  Ausbildung der Farbpikmente verantwortlich sind und ausschließlich von dem Pilz produziert werden. Insbesondere die Usinsäure oder die gelbe Vulpinsäure, das gelb-orange Parietin. Diese Säuren lösen Mineralien aus dem Gestein die dadurch verfügbar werden. Solange die Flechte an ihrem Platz ist, ist der Stein geschützt. Wird sie entfernt, ist er gegen Witterungseinflüsse angreifbar. Auf diese Weise tragen Flechten erheblich zur Bodenbildung bei, spätestens wenn die Flechte abgestorben ist. Ansonsten nehmen sie ihre Nährstoffe aus dem Staub der Luft oder mit den im Regenwasser gelösten Substanzen auf.

 

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Schwefelflechte Chrysothrix candelaris

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Feine Rentierflechte Cladonia stellaris

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Bei den Laub- oder Blattflechten verhält es sich etwas anders. Der Thallus, der Flechtenkörper, liegt lose auf seinem Substrat auf und ist nur punktuell angewachsen. Einige dieser Flechten haben heute noch ihre Bedeutung als Arzneimittel oder Heilpflanze in der Medizin oder Homöopathie wie zum Beispiel das Isländisch Moos oder die Bartflechte.

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Becherflechte Cladonia pyxidata

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Bartflechte Usnea dasopoga

 

 
Fotos pixabay.com  

 

 
 

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