Ein Jäger der Nacht

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Von jeher sind Eulen sagenumwoben, insbe- sondere im alten Griechenland spinnen sich Mythen und Legenden um die nächtlichen Jäger als Boten des Unglücks oder als wahre 

Glücksbringer. Es gab immer eine ambivalente Anschauung, je nachdem aus welcher Perspektive man die Dinge zu sehen glaubte. Oft wird die Eule auch als Vogel der Weisheit angesehen, findet man sie doch in Kinderbüchern mit einer Brille auf der Nase und einem Buch unter den Schwingen, was eine besondere Weisheit symbolisieren lässt. 

In der Natur und der Biologie sieht es aber anders aus. In Europa unterscheidet lediglich die deutsche Sprache zwischen Eulen und Käuzen, aber tatsächlich zählt der Kauz auch zu den Eulen. Die Unterscheidung im Deutschen 

ist auf deren Lautäußerungen zurück zu führen. Während Eulen einen lang gezogenen, eher dunkel klingenden Ruf von sich geben, ist er bei den Käuzen markant und kurz. Innerhalb der Eulen werden lediglich zwei Familien unterschieden. Das sind die Schleiereulen (Tytonidae) und die eigentlichen Eulen (Strigidae). Die Unterschiede innerhalb der Familien bestehen darin, dass die Schleiereule längere Beine besitzt, keine Federohren hat und ein scheinbar herzförmiges Gesicht. Dieser Gesichtsschleier ist auch namensgebend. Anatomisch unterscheiden sie sich noch darin, dass die vier Zehen der Schleiereule gleich lang sind, während die hintere Zehe bei den eigentlichen Eulen etwas verkürzt ist. Im Jagdverhalten unterscheiden sie sich nicht. Lediglich die Sumpfohreule, deren Federohren nicht sichtbar sind, da nach hinten angelegt, ist auch tagaktiv. Das Gleiche gilt auch für die in Europa, aber nicht in unseren Breiten, vorkommende Schneeeule. Regelmäßig brüten in Deutschland zehn Eulenarten, wobei die Waldohreule und der Waldkauz am häufigsten vorkommen und die anderen Arten immer seltener anzutreffen sind. Schneeeule, Bartkauz und Sperbereule brüten in Nordeuropa, während die Zwergohreule in Südeuropa zu Hause ist. Eulen brüten sehr zeitig im Jahr. Der Waldkauz schon im Februar und die übrigen Eulenarten im März.  

Im Brutverhalten unterscheiden sie sich wenig. Sie bauen keine Nester, sondern nutzen einfach alte, verlassene Krähennester oder brüten in Höhlen von Obstbäumen oder Kopfweiden, wie der Steinkauz oder die Schleiereule. Solche Baumhöhlen werden aber immer seltener, weshalb man die höhlenbrütenden Eulen dahingehend unterstützen kann, in dem man Eulenkästen ausbringt. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Öffnung des Kastens immer nach Osten zeigt, hier geht die Sonne auf. Die Nisthilfe sollte auch nicht ständig der prallen Sonne ausgesetzt sein und zeigt die Einflugöffnung nach Westen, wird sie nicht angenommen, da hier die Wetterseite ist. Der Uhu legt seine Eier einfach in eine Erdmulde die mit etwas Laub oder Reisig gepolstert wird. Hat sich ein Eulenpaar gefunden, bleiben sie ein ganzes Eulenleben zusammen. Sie führen eine Einehe. Während der Brutphase wird das Weibchen mit Nahrung versorgt, sodass es ihre weißen, runden Eier nie ungeschützt lassen muss. Die Brutdauer beträgt in der Regel einen Monat, beim Uhu können es auch bis zu 35 Tage werden. Wie viele Eier eine Eule bebrütet, hängt einzig von dem Nahrungsangebot ab. Die Hauptbeute einer Eule besteht aus Mäusen. 

 In einem guten Mäusejahr können Eulen 8—9 Eier bebrüten, während in einem schlechten Mäusejahr nur drei oder vier Eier ausgebrütet werden. Bei einem äußerst schlechten Nahrungsangebot kann das Eulenpaar auch ganz mit der Brut aussetzen. Dies beschreiben die Lotka—Volterra Regeln mit dem Räuber—Beute -Prinzip recht gut und zeigen die Abhängigkeit der Populationsdynamik in mathematischer Anschauung auf. 

Vereinfacht wäre das die Periodizität:  Die Populationsgrößen von Räubern und Beute schwanken bei konstanten Bedingungen periodisch. Hierbei folgt der Höchstwert der Räuberpopulation auf den Höchstwert der Beutepopulation. 

Erhaltung der Mittelwerte: Die Populationsgrößen der Räuber– und Beutepopulationen schwanken konstant um einen festen Mittelwert. 

Störung der Mittelwerte: Wenn sowohl Räuber– als auch Beutepopulation gleichermaßen dezimiert werden, so erholt sich die Beutepopulation schneller als die Räuberpopulation. 

Ein Waldkauz muss für sich und seine Familie immerhin bis zu 30 Mäuse pro Nacht fangen. Es dauert bis zu zwei Monate, ein Monat brüten und ein Monat Nestlinge, bis die Nestlinge ihre Höhle oder das Nest verlassen und aus ihnen Ästlinge werden. Diese halten sich in den Baumkronen auf und beweisen sich als hervorragende Kletterer. Dort kann man ihre Bettelrufe um Futter hören, was bei der Waldohreule dem Fiepen des Rehwildes gleichkommt. Die Jungeulen werden bis spät in den Sommer hinein mit Futter versorgt, bis sie das Beuteschlagen erlernt und geübt haben. Ob eine Baumhöhle, ein Nest oder ein Eulenkasten von einer Eule bewohnt ist, lässt sich leicht am Gewölle feststellen. Eulen verspeisen ihre Beute in großen Stücken mit Fell und Knochen. Im Gegensatz zu Greifvögeln können Eulen keine Knochen verdauen, sodass diese wieder im Gewölle oder Speiball zu finden sind. 

Natürlich gehören Mäuse auch bei unserer größten Eule, dem Uhu, zum Futterspektrum. 

Er fängt aber auch gerne einen Hasen oder Vögel, selbst vor seinen Artgenossen macht er nicht Halt.

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Die Jagd vollzieht sich bei den Eulen auf zwei Arten: zum einen die Pirsch und zum anderen der Ansitz. Für den Ansitz werden alle höher gelegenen Möglichkeiten genutzt wie Äste, Ansitzleiter, Hochsitze, Überlandleitungen etc. Durch ihre extreme Weitsichtigkeit und durch ihr gutes Gehör können sie ihre Beute in großer Entfernung wahrnehmen. Da die Augen der Eulen nicht seitlich am Kopf angeordnet sind, sondern in der Mitte des Gesichtes sind, haben sie lediglich ein Sehfeld von 60 Grad. Dafür sind sie in der Lage, ihren Kopf um 270 Grad zu drehen und damit das Sehfeld ohne große Körperbewegung erheblich zu erweitern. 

Der Ansitz ist nur möglich, wenn entsprechende Ansitzgelegenheiten vorhanden sind. In unseren ausgeräumten Kulturlandschaften fehlen auf großen Arealen solche Möglichkeiten und gerade hier kann man unterstützend helfen, indem man Julen aufstellt. 

Das sind einfache Pfosten mit einem Querbalken, die auch gerne von den „Jägern des Tages“ genutzt werden. Mit diesen Julen kann man starken Mäusepopulationen entgegenwirken, sowohl auf den Feldern wie auch in großen Forstkulturen. Sie unterstützen die Jagdmöglichkeit und somit die Populationsdichte der Eulen (und Greifvögel). Eine Neuschaffung landwirtschaftlicher Strukturen wie z. B. die Anpflanzung von Hecken trägt ebenfalls zu Ansitzmöglichkeiten bei. 

Bei der Pirsch gleitet die Eule über offenes Gelände, wobei ihr Flug lautlos ist. Durch ihre weichen Federn, die nur leicht übereinander angeordnet sind—was die Eule größer aussehen lässt als sie tatsächlich ist— und durch die Stellung der Federn an den Schwingen, verursacht sie keine Reibungsgeräusche und Luftturbulenzen, was einen lautlosen Flug ermöglicht. Durch ihre schlitzförmigen Ohröffnungen, die mit einem Federschleier umgeben sind, wird nahezu jedes Geräusch an ihre Ohren geleitet. Der Eule entgeht nichts. Diese Voraussetzungen sind für eine erfolgreiche Pirsch unerlässlich, möchte sie ihre Beute nicht schon im Vorfeld warnen und damit die Jagd zu einem Misserfolg werden lassen. Sie kann ihre Beute nicht im Flug erlegen, sondern muss auf den Boden, um sie mit ihren scharfen Fängen zu töten (Grifftöter) oder ihr durch einen Biss in den Nacken habhaft, zu werden. Die Beute muss auf jeden Fall lebend gefangen werden. 

Foto: https://pixabay.com

 

 

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