Schwarzwild ( Sus scrofa) Carl von Linné 1758

4.9
(65)

Von wegen blöde Sau! Wildschweine sind sehr intelligente, lernfähige und anpassungsfähige sowie soziale Waldbewohner. Sie verfügen über außerordentlich scharfe Sinne, wobei der Geruchssinn am stärksten ausgeprägt ist. Sie können damit auf mehrere hundert Meter einen Menschen, anderes Wild oder Aas winden. Selbst der Fährte anderer Tiere können sie folgen, ähnlich wie ein Schweißhund. Schon wenige Tage alte Frischlinge setzen ihre Nase ein, um die Bache wieder zu finden, wenn sie von ihr abgekommen sind. Sauen suchen auch nicht auf das gerade Wohl im Boden nach Insekten oder Mäusen und verborgener Mast. Ihr Witterungsvermögen lässt sie das finden, wonach sie ganz gezielt suchen. Dieser Geruchssinn dient nicht nur dem Schutz sondern auch der Nahrungsfindung und sozialen Kontakten. Einher geht das Ganze durch eine Kombination aus Geruchs- und Tastsinn. Im Wurf, die Scheibe an der Spitze des Gebrechs (das ist der Rüssel, die Nase beim Schwarzwild) befinden sich äußerst empfindliche Tastorgane. Das sollte man nicht für möglich halten, wenn man sieht, wie zuweilen der Waldboden umgebrochen ist. Ebenso „sensibel“ ist der Geschmackssinn. Die Schwarzkittel sind schon in der Lage, die Waldfrüchte zu unterscheiden. Gefressen wird alles, aber sie wissen, ob sie eine Buchecker fressen oder eine Eichel. Sie unterscheiden auch die Feldfrüchte und das sehr delikat. Werden verschiedene Kartoffeln zum Beispiel nebeneinander angebaut, wird erst eine Geschmacksprobe genommen. Über die Kartoffeln, die am besten schmecken, wird sich hergemacht.

Ebenso gut ausgeprägt ist der Gehörsinn. Vom Reh- oder Rotwild weiß man, dass die Lauscher ständig in Bewegung sind. Bei den Sauen erscheinen die Teller (Ohren) eher starr und dennoch hören sie erstaunlich gut. Selbst eine Maus können sie wahrnehmen. Ein Schwarzkittel äugt dafür sehr schlecht. Mit dem Sehsinn ist es nicht weit her. Wenn ein Mensch ein paar Meter vor einer Sau still stehen bleibt, ist es fraglich, ob sie den Menschen erkennt. Käme aber Leben in das Stillleben, würde sie es sofort registrieren. 

 In der Rauschzeit, von November bis Februar, darf sich der Keiler einer Wildschweinrotte nähern, um die Bache zu beschlagen. Ansonsten ist er über das Jahr gesehen ein Einzelgänger. Junge Keiler aus einer Rotte werden etwa mit eineinhalb Jahren geschlechtsreif und müssen dann den Sozialverband verlassen, um eigene Wege zu gehen. Die Tragzeit beträgt dreieinhalb Monate und die jüngeren Bachen bringen 3-5 Frischlinge zur Welt, ältere bis 8 Frischlinge,

ausnahmsweise auch mehr, es werden aber nur 8 großgezogen. Die Höhe des Zuwachses hängt von den Lebensbedingungen ab. Gibt es ein gutes Mastjahr werden es mehr Frischlinge und bei Nahrungsknappheit weniger. In der Regel kommen die Frischlinge in den Monaten Februar bis Juni zur Welt, aber zwei Drittel aller Geburten fallen auf die Monate März und April. 

Schwarzwild kann man zu jeder Tageszeit antreffen, es ist tag- und nachtaktiv.

Schwarzwild und Hunde  

  • Kommt man in eine Region mit Schwarzwildaufkommen, sollte der Hund grundsätzlich an die Leine.
  • Beim Anblick von Frischlingen sollte grundsätzlich der Rückzug angetreten werde. Die Bache ist auf jeden Fall in unmittelbarer Nähe und die versteht keinen Spaß und schon gar keinen kläffenden Hund.
  • Trifft man auf einen Keiler ist Ruhe angesagt; der Hund sollte kurz gehalten werden. Hetzt der Hund den Keiler, wird der Hund am Ende eine schlechte Figur abgeben. Er hätte bei bis zu 150 kg und dem Gewaff des Keilers (Hauer, Eckzähne) keine Chance.
  • Mit dem Hund auf den Wegen bleiben und keine Dickungen betreten.
  • Steht doch mal eine Rotte auf einem Weg, dann heißt es Ruhe bewahren  und sich zurückziehen. Hektik vermittelt den Sauen Gefahr.

Fotos: pixabay.com

 

 

 

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