Know how für einen sog. Wesenstest

 

Die Landeshundegesetze sehen für viele Rassen einen pauschalen Maulkorb- und Leinenzwang vor. Mit dieser Verordnung werden die Halter von Hunden pauschal verpflichtet, durch den Maulkorb ihrem Tier Leiden zu zuführen.

Der Maulkorbzwang aus ethologischer Sicht

Der Maulkorb schränkt die hundiche Kommunikation über die Mimik so sehr ein, dass es unter den Hunden zu Missverständnissen und Verhaltensstörungen kommen kann, da eine ungestörte Kommunikation, welche für die soziale Entwicklung und für den Sozialfrieden zwischen den Hunden lebenswichtig ist, nicht aufrecht erhalten werden kann. Hunde kommunizieren zu einem großen Teil durch Mimik und Körpergesten, also durch eine Körpersprache.

Die Missverständnisse entstehen, weil aus bestimmten Situationen heraus einzelne bekannte Signale (hier die Gesichtsmimik) nicht mehr erkannt werden, da der gezielte Bereich durch den Maulkorb abgedeckt wird.

Es werden nur noch die Körpergesten isoliert gesehen. Nun verfügen Hunde über einen reichen Umfang an Ausdrucksmöglichkeiten, wobei die einzelnen Signale (Gesichtsmimik und Körperhaltung) sehr vielseitig kombiniert werden und so etwas wie eine Sprache bilden. Hieraus entsteht ein weites Feld des hundlichen Ausdrucksverhaltens. Hunde, die nicht richtig kommunizieren können, erleiden seelische Schäden und verkümmern, so dass sie sich nicht mehr artgerecht entwickeln können.

Die Landeshundegesetze sehen unter bestimmten Voraussetzungen für Hunde der Rassenliste eine Maulkorbbefreiung vor, wenn diese unter anderem einen sog. Wesenstest durchlaufen haben. Problematisch ist hier die pauschale Annahme, dass bei den aufgeführten Rassen generell von einer gesteigerten Aggression ausgegangen wird – als ein Vorurteil, dass wissenschaftlich nicht haltbar und belegbar ist.

 

Beurteilung der gesteigerten Aggression von Hunden

Die Individualgeschichte und Entwicklung eines Hundes ist stets bedeutsam für dessen Sozialverhalten, seiner Verträglichkeit oder Unsicherheit im Umgang mit Artgenossen oder den Menschen.

Wenn Hunde aber dazu ausgebildet werden, den Menschen als Beute zu sehen ( Sporthundeausbildung, Schutzdienst), so ist das ein Lernprozess, der gerade gesteigerte Aggression gegenüber dem Menschen hervorruft.

Ein anderer, hässlicher Aspekt von Aggression ist auch das bewusste Leiden-lassen von Tieren, die sich dann irgendwann ihrer Haut erwehren. Diese Aggression hat nichts mit einer gesteigerten Aggression zu tun, sondern dient lediglich der Selbsterhaltung. Auch die überwiegende oder ausschließliche Zwingerhaltung führt zu Veränderungen der Verhaltensnormen durch mangelnde Umweltreize des Hundes und können aggressives Verhalten auslösen.

Für die Beurteilung von Gefahren, die durch bestimmte Hunde ausgehen können, ist der ethologische Sachverstand eine ganz entscheidende und wichtige Voraussetzung.

Für eine Beurteilung und zur Feststellung einer Veranlagung zur Gefährlichkeit ist eine sehr genaue Recherche zur Entwicklung und Lebensgeschichte des Tieres so wie Aussagen in Bezug auf das Sozialverhalten/Aggressionsverhalten, Beuteverhalten usw. unumgänglich. Selbst der Hundehalter darf hier nicht außer acht gelassen werden.

Und genau hier liegt das größte Problem. Unverantwortlich ist es, wenn durch einseitige Beurteilungen und mit unzureichendem ethologischem Sachverstand Verhaltensteste durchgeführt werden.

Hier liegt die große Gefahr der Falschbewertung z.B bei den sog. Verhaltenstesten. Die schon mehrfach dazu geführt haben, dass Tiere eingeschläfert oder ihren Besitzern entzogen wurden, damit sie in Auffangstationen ihr restliches Leben fristen können. Oder auch, dass gefährliche Tiere wieder auf die Gesellschaft losgelassen wurden.

 

Einige Fakten über Ausdruckssignale

Eine große Vielzahl an Rassen sind durch ihre Rassestandards, die sich auf Kopf, Körperform, z.B. auf Haare, Hängeohren, Hautfalten usw. beziehen, in ihrer mimischen Kommunikation, wie auch bei Körpersignalen und anderen Ausdruckssignalen in hohem Maße eingeschränkt.

So entfallen etliche Ausdrucksmöglichkeiten, um bestimmte innere Zustände zur Übermittlung auszudrücken, einfach weg. Die optische Kommunikation der Hunde ist also durch züchterische bedingte Reduktion von Ausdrucksmerkmalen, insbesondere im mimischen Bereich oder durch chirurgische Eingriffe am Tier (Kupieren) zum Teil gravierend vermindert worden.

Um wenige Beispiele herauszugreifen:

Der steife, stolzierende Gang des Chow-Chow, der unter den Hunden als Imponiergehabe gewertet wird.

Der permanente sog. “Kamm” auf dem Rücken der Rodesian Ridgebacks, der als ein Erregungssignal angesehen wird und sowohl als Angst wie auch als Aggression unter den Hunden verstanden werden kann. Der durch Gesichtsform und Falten, sowie Hängebacken beinahe vollständig in seiner Mimik behinderte Molosser, bei dem sogar ein Lefzen-hochziehen als Drohgebärde kaum noch Signalwirkung hat. Dasselbe gilt auch für Hunderassen, die durch eine übermäßige Gesichtsbehaarung gehindert sind.

Kennzeichnend für die Übermittlung einer bestimmten Motivation ist stets der Gesamtausdruck, resultierend aus allen mimischen Kommunikationsformen und anderen Ausdrucksmöglichkeiten. Je mehr Signale vorhanden sind , desto differenzierter ist auch das Ausdrucksverhalten und desto weniger Probleme gibt es unter den Hunden. Der Maulkorb schränkt das ohnehin schon reduzierte Ausdrucksverhalten bei einigen Rassen noch weiter ein.

Um ihnen einen kleinen Einblick in die Komplexität des optischen und akustischen Ausdrucksverhalten so wie das Aggressionsverhalten von Hunde aufzuzeigen, habe ich hier eine Aufstellung mit 22 Verhaltensnormen nach Dr. Dorit Feddersen-Petersen und Dr. Frauke Ohl zusammengestellt.

(Aggressionsverhalten)

1. Imponieren

2. Knurren und andere, lautliche Drohelemente

3. Zähneblecken, Haarsträuben und andere visuelle Drohelemente

4. Schnappen (ohne Körperberührung)

5. Beißen

6. Angreifen

7. Fliehen

8. Sich verkriechen (sich verstecken)

Submissives Verhalten

(unterwürfiges Verhalten)

9. Sich ducken, Kopf einziehen

10. Winseln, Fiepen

11. Schreien

12. Blickvermeidung

13. Rückenlage

14. Rückenlage mit Urinieren

Kontaktverhalten

15. Schwanzwedeln, Annäherung

16. Spielaufforderung

17. Lecken (Schnauze, die Hand des Menschen, Leckintentionen)

18. Körperkontakt zum Menschen herstellen

19. Begrüßungsbellen, Bellen mit Aufforderungscharakter

20. Hochspringen am Menschen

Rückzugsverhalten

21. Sich abwenden

22. Keine erkennbare Reaktion

 

Die einzelnen Verhaltensnormen können nie isoliert gesehen werden, sondern werden ständig kombiniert. Auf dieser Weise wird vom Hund eine differenzierte Aussage an seine Umwelt mitgeteilt.

Die Kenntnisse darüber reichen alleine noch nicht aus, um sog. Wesensteste durchzuführen zu können. So muß die Person auch in der Lage sein, die non verbale Kommunikation zwischen dem Halter und dem Tier richtig zu bewerten. Viele Verhaltensnormen des Halters haben Einfluss auf das Verhalten des Hundes auch während eines Test, da der Hund in ständiger Kommunikation mit seinem Halter steht. Hier ist der Stressfaktor (Prüfungsangst des Halters) besonders zu sehen, die das Tier Akustisch, geruchlich und durch die Körpersprache seines Halters wahr nimmt und sein Verhalten dem entsprechend beeinflusst (Stimmungsübertragung). Dieses führt unter Umständen zu einer falschen Bewertung des Hundes, wenn man ihn nur isoliert betrachtet.

Der sog. Wesenstest soll nach dem politischen Willen gesteigerte Aggressionen feststellen, also Aggressionsverhalten feststellen, das über das normale Verhalten des Hundes hinaus geht und eine Gefahr für andere Menschen darstellt. Eine Begleithunde Prüfung reicht hier nicht aus, da ja hier ein an erlerntes Verhaltensmuster auf einem Hundeplatz abgefragt wird. Nun gehört auch Aggression zum normalen Verhaltensumfang des Hundes.

Betrachten wir aggressives Verhalten aus verhaltensbiologischer Sicht, so können wir eine Hauptaussage treffen: Aggressivität hat viele Ursachen! Das gilt sowohl für den Mensch als auch für das Tier.

Aggressives Verhalten basiert auf überlebensnotwendigen Ansprüchen hinsichtlich:

Raum

Nahrung

Fortpflanzungspartner

Betreuung von Nachkommen u.a. und steht mit dem Territorialverhalten, Sexualverhalten und anderen Funktionskreisen in Zusammenhang (Gattermann 1993).

 

Die Reaktionen, Motivationen und Emotionen des Hundes müssen wir mit diesem Hintergrundwissen betrachten. Ein aggressiver Hund befindet sich in einer spezifischen Motivationslage, die von etlichen Faktoren beeinflusst werden.

Sein Verhalten ist also von zahlreichen Einflüssen und Reizen abhängig und ist somit  Ausdruck oder Indikator für den so differenziert wechselseitig beeinflussbaren inneren Zustand des Tieres – in einer ganz bestimmten Reizsituation. Aggressionsverhalten allein betrachtet, ist somit zur allgemeinen Kennzeichnung eines Hundes – ob nun defensiv- oder offensiv-aggressiv – zu einer Bewertung seiner Gefährlichkeit gänzlich ungeeignet.

Gerade das Aggressionsverhalten ist als normaler und unerläßlicher Bestandteil des Sozialverhaltens auch bei Haushunden, biologisch korrekt einzuordnen. Um dessen Verhaltenssteuerung kausal kennenzulernen, sind umfangreiche Kenntnisse zum “Normalverhalten des Hundes” Vorbedingung.

Das Aggressionsverhalten umfaßt zwei gegensätzliche Faktoren:

das offensive Aggressionsverhalten oder auch Angriffsverhalten und die defensive Aggression oder das Abwehrverhalten; hinzu kommen alle Elemente des Fluchtverhaltens.

Aggressives Verhalten

offensiv/Angriff

Annähern

Demonstrieren

Imponieren

Angriffsdrohen

Angreifen

defensiv/Abwehr / Flucht

Beschwichtigen

Submission/Flucht

Abwehrdrohen/Flucht

Abwehren/Flucht

Kampf > Abwehrdrohen <: Ausweichen/Flucht

Angriff

Beißen

Ernstkampf

Abwehrbeißen

Aggressives Verhalten kann allerdings in bestimmter Ausprägung und unter besonderen Gegebenheiten auch Ausdruck eines gestörten Umwelt-Verhältnisses und somit auch ein Indikator für Verhaltensstörungen sein. So bei sozialen Reizen, die beängstigend wirken, da sie dem Tier nicht vertraut sind, oder auch als Ausdruck eines genetischen Defektes als Folge unbiologischer Zuchtauslese.

Die Beurteilung des individuellen Aggressionsverhaltens eines Hundes in bestimmten Situationen ist überaus zeitaufwendig und setzt fundierte ethologische Kenntnisse bei der Person voraus der die Wesensanalyse durch führt. Dennoch stellen solche “Beurteilungen” auch jeden Ethologen vor schwer lösbare Probleme.

 

Meideverhalten

Meideverhalten ist eine grundsätzliche Verhaltensnorm des Hundes, weil die Natur darauf ausgerichtet ist, unangenehme Situationen oder gar Beschädigungen (Verletzungen) zu vermeiden. In der freien Natur gibt es keinen Tierarzt der nach jedem Kampf Verwundungen heilen kann, und deshalb ist der natürliche Instinkt der Hunde, Beschädigungen zu vermeiden, weitgehend erhalten geblieben (z.B. Schaukämpfe bei Rüden). Meideverhalten bedeutet auch, dass man sich einer Konfliktsituation nicht aussetzen will. Stellt man einen Hund vor der Wahl, eine bestimmte bedrohliche Situation zu vermeiden oder bis in letzter Konsequenz auszutragen, so wird er in einen hohen Prozentsatz der Fälle den Weg der Vermeidung vorziehen.

Bedauerlich ist, das Meideverhalten oft negativ angesehen wird, wenn man die Aussagen von betroffenen Hundehaltern hört. Meideverhalten bedeutet nichts anderes, als eine bestimmte Situation zu vermeiden. Zum Beispiel aggressive Verhaltensnormen zur Konfliktlösung.

Eine Wesensüberprüfung stellt, in sich schon ein schwieriges Unterfangen dar. Zum einen wird ein hohes Maß an ethologischem Fachwissen über Hunde gebraucht und zum anderen ein sehr gutes psychologisches Wissen um den Menschen hinter der Leine besser einzuordnen. Dieses ist Voraussetzung um eine weitgehend objektive Bewertung des Hund – Mensch Gespann durchführen zu können.

Es muss deswegen beherrscht werden, weil es Hunderassen gibt, die durch züchterische Auslese ein reduziertes Ausdrucksverhalten vorweisen. Hierzu gehören insbesondere die sog. Kampfhunderassen wie Pitbull und Co. und auch Hunderassen mit langem Fell wie zum Beispiel der Briard, bei dem das Gesicht fast vollständig durch die Haare abgedeckt ist.

 

Anforderungen an den Wesenstest

Wir haben vorhin den Faktor Mensch erwähnt, der Einfluss auf das Verhalten des Hundes nimmt, besonders dann, wenn Stressfaktoren vorhanden sind. Bei einem Wesens- oder Verhaltenstest ist unbedingt darauf zu achten, dass für den Halter die Stressfaktoren minimiert werden um kein verfälschtes Bild bei der Wesensüberprüfung des Hundes zu erhalten. Während beim Hund Stressfaktoren langsam aufgebaut werden müssen, um festzustellen, wie der Hund mit alltäglichen Umweltreizen und Stressfaktoren umgeht.

Wir haben den Menschen, und den Hund mit seinem verhaltesbiologischen Gesetzmäßigkeiten einzuordnen. Beide stehen in ständiger Wechselbeziehung, und beide beeinflussen sich gegenseitig in ihrem Verhalten (Hund-Mensch-Beziehung). Wie weit sich aber im alltäglichen Leben der Hund-Mensch-Beziehung auf das Wesen des Hundes ausgewirkt hat, kann nur durch eine Datenerhebung festgestellt werden. Diese Anamnese sollte die Zuchtstätte, die Zuchtlinie, die Umweltreize des Welpen in den ersten acht Lebenswochen, Krankheiten des Tieres und den alltäglichen Umgang seit der 9 Lebenswoche mit dem Tier und den Halter beschreiben.

Aufgrund dieser Daten kann der Sachverständige, bevor er die eigentliche Wesensüberprüfung am Hund durchführt, ein Verständnis für das Hund-Mensch-Gespann gewinnen, das ihm bei der Bewertung des Tieres sehr hilfreich ist.

Das Tier soll mit einer Vielzahl von Stimulationen konfrontiert werden, insbesondere solchen, die bekannterweise Aggressionsverhalten bei Hunden auslösen. Zur Erinnerung noch einmal: aggressives Verhalten ist ein normaler Bestandteil des hundichen Ausdrucksverhalten. Entsprechenden Reizen muss der Hund begegnen können, ohne dass es zu Ernstkämpfen (Eskalationen) mit Artgenossen oder Menschen kommt.

Hiermit ist nicht gemeint, das mit Gegenständen auf den Hund eingeschlagen wird um seine Reizspanne zu testen, sondern dass alltägliche Umweltreize und Stresssituation das Tier zur einer Konfliktsituation führen, die es lösen muss. Und nur dieses Lösungsergebnis des Tieres ist zu bewerten.

Da bei einem Lösungsergebnis verhaltensbiologische Gesetzmäßigkeiten des Halter und des Hundes mitwirken, ist das Ergebnis immer differenziert anzusehen und dann entsprechen der Verhaltesbiologie vergleichend zu bewerten. Genaue Beobachtungsgabe ist hier also gefordert, bevor es zu einer endgültigen Entscheidung einer Testpunktes- oder Abschnitt kommt.

Das Ergebnis sollte in drei Stufen bewertet werden:

1. als normal,

2. als unerwünscht,

3. als nicht akzeptabel.

Sollte die Bewertung als nicht akzeptabel erfolgt sein gilt dieser Test als nicht bestanden. Dann muss man auch fairerweise, um die Öffenlichkeit vor Gefahren, die von diesem Hund ausgehen können zu schützen, diesem Hund eine Maulkorbpflicht auferlegen. Bei einem eindeutig identifizierten aggressiven Hund können Sie mit einem Maulkorb nicht mehr all zu viel zerstören.

Die Anforderung, die an den Sachverständigen gestellt werden, haben wir zum Teil eben gehört, was es dringend erforderlich macht, dass die Qualifikation eines Bewerbers, zum Sachverständigen im Voraus überprüft werden muss.

Die Erfahrung in der Vergangenheit hat gezeigt, dass mit unterschiedlichen Methoden und Ansichten Wesensüberprüfungen durchgeführt wurden, die in ihren Inhalten und Aussagen nicht ausreichten, um auch von einer qualifizierten Überprüfung des Hundes sprechen zu können. Hier ist dringender Handlungsbedarf erforderlich.

 

Anforderung an den Sachverständigen:

Der Sachverständiger sollte eine Persönlichkeit sein, der folgende Fähigkeiten in sich vereinigt.

Ethologische Fachkompetenz

Soziale Kompetenz

Organisatorische Kompetenz

Persönlichkeitskompetenz (Aufrichtigkeit, Objektivität, Neutralität usw.)

die Fähigkeit, systematische Problem- und Situationanalyse durchführen zu können.

Die Wesensüberprüfung sollte im wesentlichen aus drei Teilen bestehen.

1. Lebensbedingungen des Hundes, die er täglich erlebt. Der Lebenslauf von der Zuchtstätte bis zum heutigen Tag muss erfasst werden, um Rückschlüsse auf  Verhaltensnormen schließen zu können. Die sich durch äußere Umweltreize und Motivationsformen, wie Ausbildung, Präge- und Sozialisierungsphasen usw. entwickelt haben.

2. Sachkenntnis des Halters.

3. Die praktische Überprüfung von Verhaltensnormen des Hundes auf gesteigerte Aggression, wo bei hier rassespezifische Verhaltensnormen berücksichtigt werden müssen.

 

Schlusswort

In den von mir bis jetzt durchgeführten Wesenstests habe ich ein erschreckendes Bild in der Hund-Mensch-Beziehung feststellen müssen. Viele Hundehalter wissen nicht, was sie am anderen Ende der Leine führen. So fehlt vielen die nötige Sachkenntnis, insbesondere über die Sozialstruktur des Hundes. Häufig auch mangelnde Kenntnisse über non verbale Kommunikation mit dem Hund, welches dann zu Missverständnissen führt. Viele können schlichtweg ihren Hund nicht “lesen“.

Eine wichtige Aufgabe für den praktizierenden Hundelehrer oder auch Hundeerzieher sollte es sein, Hundehaltern das Sozialverhalten bei Hunden näherzubringen. Ein besseres Hundeverständnis ist als wichtige Prophylaxe für “Missverständnisse” und Haltungsprobleme im Bereich individueller Mensch-Hund-Beziehung erforderlich. So bestimmen doch etliche Umwelteinflüsse, insbesondere Erfahrungen in der frühen Ontogenese, das Aggressionsverhalten und die Aggressivität des Hundes beträchtlich. Ganz einfach ausgedrückt Verhalten wird gelernt.

Darunter fällt auch die mangelnde Beschäftigung und Aufgabenstellung an das Tier, das heutzutage nicht mehr gefordert wird und unter zunehmender Langeweile leidet. Ein Hund ist ausgeglichen, wenn er eine Aufgabe erfüllen kann.

Übergriffe auf Menschen gehen nicht selten von nicht rassegerecht gehaltenen Hunden mit besonderen Umweltansprüchen aus: Jagdhunde (auch die Laufhunderassen), Schlittenhunde, Hütehunde, Schutzhunderassen und Wachhunde benötigen ihren genetischen Anlagen entsprechend Freiraum, Arbeit und körperliche Auslastung.

Werden Hunde reizarm gehalten, so dass sie zielorientierte Verhaltensweisen die ihnen ja angeboren sind, nicht mehr erfüllten können (z. B. ein lauf- oder stöbermotivierter Hund, der überwiegend in der Wohnung sitzen muss), so werden sich schließlich Verhaltensstörungen entwickeln. Wenn die Verhaltensbedürfnisse unbefriedigt bleiben, ist die Anpassungsfähigkeit des Tieres überfordert, weil Ziele und Funktionen des Verhaltens immer wieder entkoppelt werden. Ein Hundehalter sollte sich genau überlegen, für welche Aufgaben die Rasse, die er sich ausgewählt hat, gezüchtet wurde, bevor er sich ein Tier daraus ins Haus nimmt.

Er muss seinem Hund den Anlagen gemäß ein Betätigungsfeld bieten können, sonst sind Probleme vorprogrammiert.

Dieses macht es erforderlich, dass ein einheitlicher Hundeführerschein entwickelt und eingeführt wird, die der angehende Hundehalter zu absolvieren hat, bevor er sich einen Hund zulegen kann. Wie beim normalen Auto-Führerschein auch. Und vielleicht macht es sogar Sinn, ein Klassen-System wie bei diesem einzuführen, dass Hundehalter, deren Führungseigenschaften allenfalls für Kleinhunde ausreichen, nicht plötzlich mit einem 60 Kg Hund an der Leine auftauchen, den sie nicht gewachsen sind.

 

 

Literaturverzeichnis:

ARNDT,J (1998) Kommunikation Zwischen Mensch und Hund. Ausbildungsleitfaden für Rettungshundeführer.

ARNDT,J (1999) Körpersprache des Hundes. Ausbildungsleitfaden für Rettungshundeführer.

ARNDT,J (1999): Situationsanalyse und Techniken zur Problemlösung in der Hundeausbildung. In: Der Rettungshund. Arbeitshandbuch für Hundeführer und Ausbilder. RH – Verlag, Lohmar: 6.3.1- 6.3.8. ISBN-Nr.: 3 – 9807052 – 0- X.

BLOCH,G (1997) Der Wolf im Hundepelz. Westkreuz-Verlag ISBN 3-929592-31-2

FEDDERSEN-PETERSEN, D. (1989) Hundepsychologie, Kosmos Verlag ISBN 3-440-05589-2

FEDDERSEN-PETERSEN, D. (1992) Hunde und Ihre Menschen, Kosmos Verlag ISBN 3-440-05855-7

FEDDERSEN-PETERSEN, D. (1999): Ethologie des Hundes. In: Der Rettungshund. Arbeitshandbuch für Hundeführer und Ausbilder. RH – Verlag, Lohmar: 2.2.1.1 – 2.2.1.46. ISBN-Nr.: 3 – 9807052 – 0- X.

FEDDERSEN-PETERSEN, D. und OHL,F (1995) Ausdrucksverhalten beim Hund, Gustav FischerVerlag ISBN 3-334-60867-0

OHL.F. Körpersprache des Hundes. Ulmer-Verlag Stuttgart ISBN 3-8001-7445-6

OHL.F. (1999): Hunde im Stress. In: Der Rettungshund. Arbeitshandbuch für Hundeführer und Ausbilder. RH – Verlag, Lohmar: 3.4.1.1 – 3.4.1.45. ISBN-Nr.: 3 – 9807052 – 0- X.