Pilze im Wald

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Nicht nur wenn man einschlägige Gazetten liest, sondern auch mit offenen Augen durch Wälder und Felder streift erkennt man, dass die Pilzsaison begonnen hat. Fünf Pilzvergiftungen konnte man den Zeitungen bis dato entnehmen, zwei verliefen tödlich und ein Pilzsammler benötigt eine Lebertransplantation. Wir stehen erst am Anfang der Pilzzeit. Betroffen sind viele Migranten, die zum Beispiel den Knollenblätterpilz mit essbaren Pilzen in ihrer Heimat verwechseln oder mit anderen giftigen Pilzen. Hier gilt die Devise: erst lernen, dann sammeln. Das gilt für jeden der Pilze sammeln möchte.

Grüner Knollenblätterpilz.  

Grüner Knollenblätterpilz.

Wiesenchampignon      

Wiesenchampignon    

  Pilzvergiftungen kommen regional, witterungsbedingt und saisonal unterschiedlich häufig vor. Erste Symptome einer Vergiftung sind gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall. Sie treten bei einer Latenzzeit von unter sechs Stunden auf. Bei einer Latenzzeit von sechs bis 24 Stunden kann es schon recht kritisch werden, denn es könnte das Alpha und Beta Amanitin im Spiel sein, enthalten im grünen Knollenblätterpilz. Organschädigungen bis hin zum Tod sind möglich. Pilzgifte sind so unterschiedlich wie die Pilzarten. So stehen Ärzte und Kliniken mitunter vor einem Rätsel, sie sind auf derlei nicht spezialisiert. Von daher ist es wichtig, bei geringsten Anzeichen einer Vergiftung einen Arzt oder eine Klinik aufzusuchen. Essensrest oder Abfälle vom Putzen der Pilze, auch erbrochenes oder den Durchfall sollte man auf jeden Fall mitnehmen. Da Ärzte keine Pilzfachleute sind, werden sie einen geschulten Pilzsachverständigen zu Rate ziehen der die Essensreste analysiert um den „Übeltäter“ ausfindig zu machen, die Zeit läuft. Erst dann können Ärzte gezielt handeln.

Gift-Häubling     

Stockschwämmchen

Bei dem Gift-Häubling handelt es sich um Amatoxine und ähneln denen des Knollenblätterpilzes. Diese Substanzen sind hitzestabil und werden somit beim Kochen nicht unschädlich gemacht. Hier liegt die tödliche Dosis bei 100 – 150 Gramm Frischpilze (etwa so viel wie ein faustgroßer Apfel wiegt) und die Latenzzeit liegt zwischen fünf und zwölf Stunden.

 

Perlpilz

Pantherpilz

         

Der Pantherpilz gehört zu den giftigsten heimischen Pilzarten und wird häufig mit dem Perlpilz verwechselt. Die Velumreste, das sind die Tupfen auf der Hutoberseite, können durch Regen abgewaschen sein, sodass eine Bestimmung noch schwieriger wird. Geschmacklich soll er mild und nussig schmecken, so Berichte von Überlebenden. Die tödliche Menge beträgt je nach physiologischem Zustand des Konsumenten etwa 100 Gramm Frischpilz. Die Vergiftung wird verursacht durch die Substanzen Ibotensäure und Muscimol. Es sind die gleichen Bestandteile wie beim Fliegenpilz. Zwei Stunden nach dem Verzehr treten die ersten Symptome auf wie erweiterte Pupillen, Übelkeit und Erbrechen. Danach folgen ein Rauschzustand, Verwirrtheit und Kontrollverlust. Anschließend folgt bei der tödlichen Menge ein Koma oder Schock, Atmungsverlust bis zum Tod.

Grundsätzlich sollen keine Pilze gesammelt werden die nicht zu 100 % bestimmbar sind. Wenn jemand nur drei Arten mit Gewissheit kennt, sollten nicht vier Arten gesammelt werden. Für den Giftpilzverzehrer ist es sicher kein Trost, dass es nur wenige giftige oder tödlich giftige Arten in Deutschland gibt. Viele sind einfach nur ungenießbar da sie nicht schmecken oder schwer verdaulich sind. Für eine Bestimmung der Pilze sind von Pilzapps oder Bestimmungsbüchern abzuraten. Weder eine App noch ein Buch kann eine 100 %ige Bestimmung ermöglichen. Am sichersten ist es, seine Sammlung durch einen Pilzsachverständigen prüfen zu lassen der bei der DGfM (Deutsche Gesellschaft für Mykologie) geschult und geprüft wurde, denn Pilzsachverständiger ist kein geschützter Begriff.

Es gibt einen weiteren Pilz der in der Natur weit verbreitet ist und nicht unter die Sammlerleidenschaft fällt und zu den Jochpilzen zählt, wie zum Beispiel der Brotschimmel. Seine sexuelle Vermehrung vollzieht sich rasant.

Schimmelpilz

24 Stunden später

 Er besiedelt nicht nur kohlenhydratreiches Brot, sondern eine Vielzahl organischer    Lebensmittel. Von den Jochpilzen gibt es 500 Arten, die sich sowohl geschlechtlich wie auch ungeschlechtlich vermehren. Bei der geschlechtlichen Vermehrung bilden die Pilze eine Art „Höcker“ aus, der auch namensgebend ist. Die heute wohl bekanntesten Vertreter sind der Aspergillus flavus und der Aspergillus parasiticus. Beide bilden Aflatoxine, welche Substanzen sind, die zu den stärksten in der Natur vorkommenden Giften und krebserzeugenden Stoffen gehören. Bereits eine Konzentration unter 10 µg/kg Körpergewicht kann eine lebertoxische Wirkung verursachen.  Aflatoxine werden beim Kochen und Einfrieren der Lebensmittel nicht zerstört. Werden geringste Anzeichen einer Schimmelbildung erkannt, kann das ganze Lebensmittel mit dem Mycel des Pilzes durchzogen sein.

Auch Hunde können Pilze fressen, was dramatische Folgen mit sich bringen kann. Die Latenzzeiten sind nicht bekannt. Hier ist nur der Appell an die Hundehalter, während der Pilzsaison Hunde an der Leine zu führen, um eine bessere Kontrolle über sein Haustier zu haben.

Fotos: pixabay und Walter Bieck

 

 

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