Der Dachs (Meles meles)

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Der Lebensraum der Dachse sind strukturierte Laubmischwälder oder Heckenstreifen der Kulturlandschaft. Überall da wo sie im Schutz des natürlichen Bewuchses ihre Baue graben können. Das sind wahre Meisterwerke. Mit seinen langen Grabkrallen gräbt er zunächst eine Röhre tief in die Erde hinein, die sich immer weiter verzweigt. Der Durchmesser einer Röhre beträgt etwa 35 cm. Der Dachsbau hat immer mehrere Ein- und Ausgänge bzw. Ein- und Ausfahrten. Der Dachs fährt in den Bau ein, wie es richtig heißt. Er gräbt in eine Tiefe von fünf Metern, wo er seine Wohnzimmer anlegt, die mit Moos und Gras ausgepolstert werden. Ein Bau kann auch über mehrere Etagen angelegt werden. Der Durchmesser eines Baues beträgt ca. 30 Meter. Da er über mehrere Generationen hinweg genutzt wird und diese Generationen immer weiter graben, kann er eine Länge von mehreren 100 Metern erreichen. Der Bau ist meist nach Süden ausgerichtet, bzw. an einem Südhang angelegt, da er so am

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Fotos: pixabay.com / Dachspärchen

besten von der Sonne erwärmt wird. Seine Krallen sind vier Zentimeter lang und stets nach unten gerichtet und somit bestens zum Graben geeignet. Der größte unserer heimischen Marder (Erdmarder) wird 90 cm lang und kann ein Gewicht bis zu 20 kg erreichen. Der „Grimbart“ ist ein sehr sauberes Tier. Außerhalb der Burg werden an verschiedenen Ausgängen WC`s angelegt, die Dachsaborte. So bleibt der Bau sauber und gleichzeitig wird ein Territorium abgesteckt, das männlichen Eindringlingen die Grenzen zeigt. Im Frühjahr wird der Bau „renoviert“. Das alte Moos, Farn oder Gras zur Auspolsterung wird restlos entfernt und durch eine neue Polsterung ersetzt. Damit es in dem Bau nicht zu kalt wird, tragen die Dachse nasses Laub und Gras hinein und verteilen es in verschiedenen „Kammern“. Durch Bakterien wird das „Biomaterial“ zersetzt, wobei Wärme abgeben wird, die sich in den Röhren verteilt. Ein sehr raffiniertes System.
Um sich in etwa ein Bild zu machen, so oder ähnlich wie auf der Skizze könnte es in einem Bau aussehen. Wie er wirklich aussieht, weiß nur der Dachs allein.

Vielleicht noch der Fuchs. Füchse haben keine Hemmungen, als Untermieter ohne Mietzahlung mit einzuziehen, was dem Dachs in den 1970er Jahren fast zum Verhängnis wurde. Die Tollwut hatte sich in Deutschland erheblich ausgebreitet. Sie ist auf den Menschen übertragbar und der Hauptüberträger war der Fuchs. Alle Baue die man vorfinden konnte, wurden begast und das brachte den Dachs in eine existenzbedrohliche Lage. Die Tollwut konnte gestoppt werden und heute ist Deutschland tollwutfrei. Es gibt aber immer noch strenge Auflagen gerade für Hunde, möchte man mit ihnen in europäische Länder reisen. Die Impfpflicht für Hunde gegen Tollwut besteht nach wie vor, sonst ist kein Reisen möglich. Die Dachsbestände konnten sich wieder erholen und ihr Status auf der „Roten Liste“ steht bei ungefährdet.

 

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Dachspfote

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Skizze: Walter Bieck./ Dachsbau

Der Dachs ist sehr scheu, scheuer als ein Fuchs und meidet den Menschen. Dennoch kann es in der Dämmerung passieren, dass das pummelige, tapsende, sich langsam und unbeschwert fortbewegende Raubtier, einem bis vor die Füße läuft, um dann brummend reißaus zu nehmen. Er meidet auch Hunde. Wenn ein Hund meint, ihm hinterher laufen zu müssen und ihn bedrängt, setzt sich der Dachs zur Wehr. Aufgrund seiner Kieferanatomie kann er sehr fest zubeißen und in der Regel geht ein solches Szenario zu Ungunsten des Hundes aus. Die Hunderasse ist unerheblich. Ansonsten führt er ein sehr friedliches Dasein.

Die Ranz- oder Rollzeit ist uneinheitlich. Junge Dächsinnen ranzen im Hochsommer, während ältere nach dem Werfen im Frühjahr direkt wieder vom Rüden gedeckt werden. Damit der Nachwuchs nicht mitten im Winter zur Welt kommt, erfolgt wie beim Rehwild eine Eiruhe. Die Dächsin bringt 2-4 Junge zur Welt, die erst nach 3-4 Wochen im Bau die Augen öffnen. Die lange Aufzuchtzeit bedingt, dass die Dachsmutter nur alle zwei Jahre Nachwuchs zur Welt bringt. Wenn es endlich soweit ist, dass die Jungtiere mit der Mutter den Bau verlassen um auf Nahrungssuche zu gehen, wird der Nachwuchs von der Mutter mit ihrer Analdrüse markiert, gestempelt, damit sie im Dunkeln nicht verloren gehen. Dachse jagen nicht aktiv, sie sammeln ein was sie finden. Sie sind Allesfresser. Im Frühjahr machen Regenwürmer die Hälfte ihrer Nahrung aus. Hinzu kommen Mäuse, Schnecken und Insekten, Fallobst, Beeren, Wurzeln Samen und Pilze. Manchmal erbeuten sie auch das Gelege von Bodenbrütern oder sie erwischen einen Junghasen. Alles was sie finden können gehört zum Speiseplan.

In der freien Natur wird ein Dachs ca. 15 Jahre alt. Seine größten Verluste erleidet er durch den Straßenverkehr.

 

 

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